"Unsere Taten, unsere Gefühle, unsere Gedanken und unsere Empfindungen kommen aus sich heraus, so wie der Regen fällt und wie das Wasser durch ein Tal fließt. Und ich bin weder ein passiver und hilfloser Zeuge, dem dies alles geschieht, noch ein aktiver Täter und Denker, der alles verursacht und in der Hand hält. 'Ich' ist lediglich die Vorstellung meiner selbst, ein Gedanke unter anderen. Wenn man diesen Gedanken ernst nimmt, erweckt er die Illusion, daß man von der Natur getrennt sei, ein Subjekt, das Objekte ins Auge faßt. Wenn aber das Subjekt eine Illusion ist, dann sind die Objekte keine Objekte mehr. Innerhalb des Schädels und der Haut wie auch außerhalb gibt es nur noch  e i n e n  Strom, der von selbst dahinfließt."
Alan Watts, ZEIT ZU LEBEN (1972)

 

WIE STATT "WER"

DAS LEBEN ALS AMÖBE STATT AVATAR ERLEBEN


WER-Fangfragen sind ein witziges Gesellschaftsspiel für langweilige Regentage: es benötigt ein WER, um für oder gegen ETWAS zu sein. Wenn es dieses abstrakte pauschale Ichgefühl als "unwandelbare" Identität nicht gibt für die "eigene" Wahrnehmung, dann besteht automatisch auch keine Bewertungsinstanz im Denken, das die Objekte der Wahrnehmung pauschal super oder scheisse findet. Flow fühlt in jedem Moment, was miteinander WIE (statt WER) kommuniziert und kann die Facetten der konkreten Begegnung beschreiben: diese Eigenschaft bewirkt diese Reaktion, jene Eigenschaft bewirkt jene Reaktion. Dieses ganze Für/Gegen-Spiel lässt sich nur nachvollziehen, wenn man die Augen und den Arsch gleichzeitig ganz fest zusammenkneift und sich dabei wünscht, ein Ich-Avatar zu sein, um die Welt einmal in Plus und Minus einzuteilen. Die Zusammenkneifmethode funktioniert allerdings nicht immer bei allen Erwachten, weil sie eine Zielsetzung voraussetzt, die erst durch das Kneifen erfunden wird. Deshalb kapiert manch ein Erleuchteter gar nicht solche Fragen, die grammatisch mit "wer" eingeleitet werden. Dieses Syndrom ist unter Ärzten bekannt als Erwachensverblödung... NACHTRAG: Simple Sympathie und Antipathie empfindet das Nervensystem PERMANENT, ohne dass es sich als Bewertung anfühlt. Es ähnelt eher der Amöbe, die automatisch durch den Unterschied des Flüssigkeitsdrucks innerhalb und ausserhalb der Zellmembran ihre Richtung ändert und dadurch IMMER IN BEWEGUNG bleibt...

Wenn Du Dich als eine statische Person "in Dir" suchst (Spirituelle nennen das gerne "ICH BIN"), möchtest Du einen User für Deinen Organismus finden, dessen Erscheinung Dir wie ein Avatar anmutet. Wenn Du dann dank Meditationstechniken diesen eingebildeten innersten Tempelraum betrittst und niemanden findest, klammert sich Dein Ego vielleicht noch eine Weile an diese Leere (im spirituellen Jargon ist das die sogenannte IDENTIFIKATION MIT DER NICHTIDENTIFIKATION), bis dieses sich selbst projizierende Ego kapiert, dass es sich nur einen "Seelenspiegel" geschaffen hat, um seine "Seele" zu erfinden, aber der Spiegel in Wirklichkeit leer ist, sprich: da ist gar kein Ego, das seine Seele sucht und erstrecht keine Seele, die als User eines Avatars in ihrem geheimen göttlichen Versteck sitzt. Erst dann kehrt Dein Bewusstsein IN SEINE EIGENE BEWUSSTHEIT zurück und empfindet seine Erscheinung als Organismus nicht mehr als "scheinbare Erscheinung" (korrekter Spirisprech für Dogmatiker, Fanatiker und Fetischisten), sondern als DAS LEBEN AN SICH in permanenter Wechselwirkung seiner Bestandteile: die Sauerstoffatome, die gerade noch vor Deinen Augen tanzten, werden beim Einatmen Bestandteil des eigenen Blutes, das das Gehirn mit der notwendigen Nahrung versorgt, und sind damit für kurze Zeit Aspekte der Identität! Wenn sie dann wieder ausgeatmet wurden, hat sich die Konsistenz des Blutes wieder verändert und es gibt wieder Atome, die nicht mehr zur Identität des körperlichen Erscheinungsbildes gehören. Auf diese Weise (Einatmen & Ausatmen) besteht die Existenz in jedem Moment aus einer sich permanent wandelnden Atomk...OM...bination anstatt aus einer statischen Plastikhülle mit einer Managerseele im Zentrum der Hülle. Die Hülle ist hohl und managt sich selbst. Wenn Du nun wieder in einen Spiegel schaust, siehst Du nicht nur ein ganz und gar leeres, gesichtsloses Spiegelbild, sondern Du siehst auch tatsächlich ein hautloses, sich permanent wandelndes Antlitz, das aus sämtlichen Atomen besteht, die sich in dieser Gegend jetzt gerade aufhalten, und gleich schon wieder in andere Gegenden weggedriftet sind. Dein absolutes Seelengesicht wird erkannt als ein ständiges Kommen und Gehen, Hinzufügen und wieder Zerfließen von allen Atomen, die um sich selbst tanzen! MEHR IST DA NICHT. MEHR BRAUCHT ES NICHT. Die Null ist ein leuchtendes, grenzenloses Nichts, das aus allem besteht, was möglich ist. KEIN EXTERNES "POTENZIAL", KEINE "QUELLE" FÜR EINEN STROM, KEIN "SELBST" ALS LENKER DES WAGENS. Der Wagen rollt nur, weil er vier Räder hat! Das Leben ist wie ein Omnibus ohne Dach: weder innen noch aussen, Luft überall und ES ROLLT! ES STRÖMT! ES ATMET!

WER versteht hier überhaupt irgendetwas? Der Verstand VERSTEHT, nur ER hat verstanden. Die WER-Fangfragen werden prinzipiell nicht vom Ego als solche erkannt, weil sich das Ego sofort als DIE KOMPLETTE PERSON angesprochen fühlt, also dieses abstrakte Geistgespenst mit Deiner UNENDLICHEN ANWESENHEIT verwechselt. Das ist in gewisser Weise tragisch: wir wurden seit Jahrtausenden im Zivilisationsprozess darauf konditioniert, dass es ein Objekt zu dem Wort "ich" gäbe, von dem aus wir alles wahrnähmen. WER allerdings genauer hinschaut, WER da eigentlich denkt, stellt ohne großartige Erleuchtung sofort fest: nur das Denken denkt selber das Wort "ich" - mehr ich ist da schlichtweg nirgends. Von daher ist jeder Gedanke selbstredend der nächste Gedanke, ohne dass "JEMAND" aus einem Pool von Gedanken "SEINEN" Favoriten auswählen könnte, als wäre er ein "Denker hinter den Gedanken" (Anspielung auf Alan Watts, der das bereits vor vielen Jahrzehnten beschrieb) - und wenn der Gedanke "ich" lautet, so IST DIES der nächste Gedanke. Das ganze Spiel ist so simpel und lächerlich leicht, dass es wirklich tragisch ist, dass die Mehrheit der Menschheit trotzdem meint, es gäbe ein Ich AUSSERHALB des Denkens, "DAS" dieses Denken denkt. Und dann beginnt man, damit Geld zu machen, seinen Brüdern und Schwestern einzureden, man hätte gewaltige Methoden zu bieten, das Denken durch Meditation abzuschalten, weil jeder glaubt, dadurch "sein" bzw. "ihr" Ich loszuwerden, "dessen" Denken dieses Ich an den Rande des Wahnsinns denkt, weil es darüber hinaus glaubt, das Denken sei eins mit den SINNEN, die darum das Leben nicht "direkt" spürten sondern nur zerdenken würden (man kriegt schon beim Lesen hier einen Knoten im Kopf, nicht wahr?). Dem Bewusstsein wurde geschickt eingeredet (quasi kollektivhypnotisch), es sei IDENTISCH mit seiner Fähigkeit zu denken und daher identisch mit dem Ich und deshalb von seinen direkten Sinnesempfindungen als Wahrheitsorgane oder zumindest von einem ominösen siebten Sinn oder dritten Auge oder fünftausendsten Reinkarnationsmedialchannelsensor entfremdet (nun haben endlich alle Leser einen erleuchteten Knoten im Hirn!). Um einmal eine "persönliche" Anekdote dazu zu erzählen (weil man mir in letzter Zeit oft aufgrund meines nüchternen psychophilosophischen Stils Kaltherzigkeit und Lieblosigkeit vorwarf): Es gab auch bei "mir" emotionale Lehrjahre, frühe Jahre in "meinem eigenen Prozess", wo ich STUNDENLANG SCHRIE UND HEULTE, als mir bewusst wurde, dass es "mich" nicht gab und zugleich sah, dass ALLE UM MICH HERUM (sogar mein eigener Vater Paul mit seinem DAMALIGEN fetten Guru-Ego!) diesem aberwitzigen Irrglauben aufgesessen waren. Als dann die letzten Reste ("Ego-Echos" nannte das letztens ein Facebookfreund) meines Ichgefühls verpufft waren, hörte natürlich automatisch auch das Gejammer des Ichs selber auf und meine Nerven beruhigten sich und mein Körper entspannte. Was blieb, ist bis heute nichts weiter als ein "direktspürender" Mensch aus Haut und Haar, der immer den "nächsten" (naheliegendsten oder abwegigsten) Gedanken DENKEN KANN, weil sein Verstand ein Bestandteil seines gesamten Organismus IST. Habe "ich" das jetzt einigermaßen verständlich ausgedrückt, liebe Freunde? Oder sollte "ich" doch besser auf "MEINEN" NÄCHSTEN Gedanken warten?

 


ORIGINALQUELLE: Pi Zett auf diversen Facebook-Seiten, 26.-28.1.2018

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